Webinar: Baumpflege mit vialytics - Einblicke in die Praxis
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Digitales Baumkataster: Wie Kommunen vom Papier zur App wechseln
Stadtbäume spenden Schatten, kühlen an heißen Tagen, verbessern die Luft und machen Straßen und Plätze lebenswerter. Damit sie diese Aufgaben über Jahrzehnte erfüllen können, brauchen sie regelmäßige Pflege. Kommunen müssen ihren Bestand im Blick behalten, Pflegemaßnahmen planen und Zustände dokumentieren. In vielen Verwaltungen läuft das noch über Zettel und Tabellen.
In unserem Fokus-Webinar haben zwei Praxisbeispiele gezeigt, wie der Umstieg auf ein digitales Baumkataster funktioniert. Im Gespräch erzählen Sibille Goldmann aus Süßen und Florian Hartmann von Bühler Baum & Garten, was gut lief, wo es gehakt hat und was sie anderen Kommunen raten.
Ausgangslage und Umstieg auf das digitale Baumkataster
vialytics: Frau Goldmann, bitte stellen Sie kurz Ihre Kommune und das von
Ihnen betreute Baumkataster vor.
Sibille Goldmann: Die Stadt Süßen liegt in der Nähe von Stuttgart und hat rund 10.000 Einwohner. In unserem Kataster verwalten wir etwa 1.900 Stadtbäume sowie 20 Baumgruppen im Außenbereich mit weiteren 1.600 bis 1.800 Bäumen. Während die Baumprüfung durch einen externen Kontrolleur erfolgt, führt unser städtischer Bauhof mit seinen 16 Mitarbeitern die Pflegemaßnahmen größtenteils selbst durch.
vialytics: Wie sah Ihr Weg hin zum digitalen Baumkataster aus und welche Herausforderungen gab es?
Sibille Goldmann: Wir hatten bereits seit 2015 ein digitales Baumkataster bei einem GIS-Dienstleister. Nach einem Dienstleisterwechsel gab es jedoch Probleme, weshalb wir nach einer neuen Lösung suchten und 2025 die Einbindung in das vialytics-System umgesetzt haben. Eine Herausforderung war die Datenkonsolidierung: Unser altes System umfasste 40 Eigenschaftsfelder und drei verschiedenen Baumnummern, die wir auf die wesentlichen Datenfelder reduzieren mussten. Zudem mussten wir Überzeugungsarbeit im Bauhof leisten, um den Arbeitsablauf von Papierlisten auf Tablets umzustellen.
Ersterfassung und Baumkontrolle beim Auftragnehmer
vialytics: Herr Hartmann, Sie betreuen unter anderem die Gemeinde Hochdorf. Wie unterscheidet sich diese Struktur und wie gehen Sie bei einer Ersterfassung vor?
Florian Hartmann: Hochdorf ist kleinkommunal strukturiert und verfügt nicht über eigenes Fachpersonal für Baumkontrollen und Baumpflege. Wir unterstützen die Gemeinde daher als FLL-zertifizierte Experten von der Ersterfassung bis zur Ausführung. Vor Ort erfassen wir den Baum per Smartphone oder Tablet, fügen ein georeferenziertes Foto hinzu und nehmen die Stammdaten wie Baumhöhe, Kronen- und Stammdurchmesser sowie Standraumbedingungen auf.
vialytics: Welche Kriterien nutzen Sie, um den Baumzustand und eventuelle Mängel schnell erfassbar zu machen?
Florian Hartmann: Wir erfassen konkrete Schadsymptome an Wurzel, Stamm und Krone. Auf Wunsch der Gemeinde Hochdorf nutzen wir zusätzlich ein Ampelsystem (gut, mittel, schlecht), um den Gesamtzustand des Baumes auf einen Blick darzustellen. Ergänzend hinterlegen wir Angaben zur Verkehrssicherheit und zur Dringlichkeit.
Auftrags- und Fristenmanagement in der Praxis
vialytics: Frau Goldmann, wie läuft die Beauftragung des Bauhofs ab, wenn bei einer Kontrolle Pflegemaßnahmen festgestellt werden?
Sibille Goldmann: Nach einer Kontrolle entstehen oft rund 300 Pflegemaßnahmen. Ich lege im System Arbeitsaufträge mit Prioritäten (hoch, mittel, niedrig) an, beschreibe die genaue Maßnahme – beispielsweise das Entfernen von Stamm- und Stockaustrieb – und weise diese dem Bauhof zu. Die Mitarbeiter sehen den Auftrag direkt auf ihrem Tablet, arbeiten ihn vor Ort ab und zeichnen ihn digital als erledigt ab.
vialytics: Herr Hartmann, wie stellen Sie sicher, dass Fristen und wiederkehrende Regelkontrollen eingehalten werden?
Florian Hartmann: Dafür nutzen wir wiederkehrende Aufträge. Basierend auf dem Baumzustand legen wir beispielsweise einen 12-monatigen Kontrollrhythmus fest, der nach Ablauf automatisch wieder im System aufploppt. Um die Übersicht für die Gemeinde zu wahren, kennzeichnen wir Regelkontrollen grün, während dringliche Pflegemaßnahmen wie Totholzbeseitigung in Rot oder Gelb signalisiert werden.
Praxistipps, Baumnummerierung und Einführungsdauer
vialytics: Ein zentrales Thema bei Kommunen ist die Baumnummerierung. Welchen Rat geben Sie hierbei?
Sibille Goldmann: Wir raten dringend dazu, von Anfang an zu versuchen, eine durchgängige Nummernfolge einzuhalten. Durch frühere Systemwechsel hatten wir Lücken im Nummernkreis, die wir nun schrittweise wieder auffüllen.
Florian Hartmann: Wir versuchen ebenfalls, fortlaufend zu nummerieren und doppelte Baumnummern strikt zu vermeiden. Bei neuen Erfassungen arbeiten wir teilweise mit festen Nummernblöcken für bestimmte Kostenstellen oder Teilbereiche wie Schulen, Grillplätze oder Grünanlagen.
vialytics: Wie viel Zeit sollten Kommunen für die Umsetzung und Datenübernahme einplanen?
Sibille Goldmann: Man sollte mit mehreren Wochen rechnen – realistisch sind in der Praxis etwa vier bis sechs Wochen, da Abstimmungen und Informationsbeschaffung schrittweise erfolgen.
Florian Hartmann: Dem stimme ich vollkommen zu. Je größer der Baumbestand ist, desto mehr Vorbereitung und Planung erfordert das Projekt. Mein wichtigster Tipp ist eine gründliche Definition der Eigenschaften vorab sowie Geduld, da es sich um ein lebendes System handelt.
vialytics: Würden Sie den Schritt zur digitalen Baumpflege rückblickend wieder gehen?
Sibille Goldmann: Ja, auf jeden Fall! Das System ist sehr benutzerfreundlich und funktioniert vor Ort zuverlässig offline, was bei schlechter Netzabdeckung entscheidend ist. Wir planen bereits, das System künftig auch für weitere Bereiche wie Spielplatzkontrollen, Gewässerschauen und Grünflächen zu nutzen.
Fazit: gut vorbereiten, Zeit einplanen
Mit einer zentralen App statt Zetteln und Tabellen arbeiten Verwaltung, Bauhof und externe Baumkontrolleure in einem System. Süßen und Baum & Garten, zusammen mit Hochdorf, zeigen aber auch, dass sich vor dem Start entscheidet, wie gut das digitale Baumkataster im Alltag funktioniert. Wer vorher nur die Eigenschaften festlegt, die er wirklich braucht, und die Nummernkreise einheitlich aufbaut, spart sich später viel Nacharbeit.
Für die Umstellung selbst sollten Kommunen Zeit einplanen. Bis alle Daten zusammengeführt sind, vergehen in der Praxis meist vier bis sechs Wochen. Draußen im Einsatz hilft, dass die App auch offline funktioniert. So lassen sich Bäume auch dort dokumentieren, wo das Netz schwach ist.
Einige Kommunen nutzen das System inzwischen über das Baumkataster hinaus. Spielplatzkontrollen, Gewässerschauen und Grünflächen laufen dann über dieselbe App.
Sie möchten Ihr kommunales Baumkataster wie Süßen und Hochdorf digital verwalten?