Jedes Jahr lenkt die Wahl zum Unwort des Jahres den Blick auf Begriffe, die den öffentlichen Diskurs prägen – häufig auf problematische Weise. Das Unwort des Jahres 2025 lautet „Sondervermögen“. Die Entscheidung hat eine breite Debatte ausgelöst, da der Begriff seit Jahren in politischen und medialen Kontexten verwendet wird, aus Sicht der Jury jedoch sprachlich verschleiernd wirkt. Der Fall verdeutlicht, wie stark Sprache Wahrnehmung, Verständnis und Vertrauen beeinflusst.
Was bedeutet „Unwort des Jahres“?
Die Aktion „Unwort des Jahres“ existiert seit 1991. Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern wählt jährlich einen Begriff aus, der gegen Prinzipien einer sachlichen, transparenten und verantwortungsvollen Sprache verstößt. Entscheidend ist dabei nicht die Häufigkeit eines Begriffs, sondern seine Wirkung.
Ein Unwort kann durch Irreführung, Beschönigung oder Entmenschlichung auffallen. Ziel der Aktion ist es, das Bewusstsein für Sprache zu schärfen und zur kritischen Reflexion öffentlicher Kommunikation anzuregen. Anders als beim „Wort des Jahres“ steht nicht sprachliche Kreativität, sondern gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt.
Warum „Sondervermögen“ zum Unwort 2025 wurde
Im juristischen Sinne bezeichnet „Sondervermögen“ staatlich verwaltete Finanzmittel, die außerhalb des regulären Haushalts geführt werden. In der politischen Praxis wird der Begriff jedoch häufig genutzt, um kreditfinanzierte Ausgaben zu benennen, ohne offen von Schulden zu sprechen.
Genau darin sieht die Jury das zentrale Problem. „Sondervermögen“ suggeriert Rücklagen oder zusätzlichen finanziellen Spielraum, verschleiert jedoch faktisch eine Neuverschuldung. Die Wortwahl erzeugt ein positives oder zumindest neutrales Bild, obwohl es um langfristige finanzielle Verpflichtungen geht. Aus sprachlicher Sicht handelt es sich um einen Euphemismus, der die tatsächliche Bedeutung abschwächt.
Die Wirkung von Sprache im öffentlichen Diskurs
Sprache strukturiert politische Debatten. Begriffe beeinflussen, wie Maßnahmen wahrgenommen, bewertet und akzeptiert werden. Werden Sachverhalte sprachlich beschönigt, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer kritischen Auseinandersetzung.
Am Beispiel von „Sondervermögen“ zeigt sich, wie stark Begriffe Deutungsrahmen setzen. Wer sie unreflektiert übernimmt, übernimmt häufig auch die implizite Bewertung. Die Wahl zum Unwort des Jahres macht deutlich, dass sprachliche Präzision eine zentrale Voraussetzung für informierte Meinungsbildung ist.
Sprachliche Klarheit als Grundlage fundierter Entscheidungen
Klare Begriffe schaffen Transparenz. Sie ermöglichen es, Sachverhalte realistisch einzuschätzen und Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Unklare oder beschönigende Sprache dagegen kann Vertrauen untergraben – insbesondere dann, wenn es um langfristige politische oder finanzielle Weichenstellungen geht.
Präzise Begriffe auch im kommunalen Kontext
Die Bedeutung klarer Sprache beschränkt sich nicht auf die Bundespolitik. Auch im kommunalen Alltag sind verständliche Begriffe essenziell - etwa bei Haushaltsfragen, Infrastrukturprojekten oder der Kommunikation mit politischen Gremien.
Hier zeigt sich eine Parallele zur datenbasierten Arbeitsweise in der Verwaltung. Systeme wie vialytics setzen darauf, komplexe Sachverhalte auf Basis objektiver Daten transparent darzustellen. Wie bei Sprache gilt auch hier: Nur was klar benannt und nachvollziehbar dokumentiert ist, kann sachlich bewertet und fundiert entschieden werden.
Fazit
Die Wahl von „Sondervermögen“ zum Unwort des Jahres 2025 lenkt den Blick auf einen sensiblen Punkt im öffentlichen Diskurs. Sprache ist kein neutrales Werkzeug, sondern prägt Wahrnehmung und Verständnis. Begriffe kritisch zu hinterfragen bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – in der Politik ebenso wie im kommunalen Handeln.
FAQ
Was ist das Unwort des Jahres?
Das Unwort des Jahres ist ein jährlich gewählter Begriff, der aus sprachkritischer Sicht als besonders problematisch gilt. Er soll auf Missstände in der öffentlichen Kommunikation aufmerksam machen.
Wer wählt das Unwort des Jahres?
Die Auswahl trifft eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaft und Journalismus. Grundlage sind Einsendungen aus der Bevölkerung sowie eine fachliche Bewertung.
Warum ist „Sondervermögen“ sprachlich problematisch?
Der Begriff verschleiert, dass es sich um kreditfinanzierte Ausgaben handelt. Er wirkt beschönigend und kann die tatsächlichen finanziellen Konsequenzen verdecken.
Hat die Wahl eines Unworts konkrete Auswirkungen?
Rechtliche Folgen hat die Wahl nicht. Sie beeinflusst jedoch Debatten, Medienberichterstattung und das Sprachbewusstsein im öffentlichen Raum.
Warum ist präzise Sprache wichtig?
Präzise Sprache schafft Transparenz und Vertrauen. Sie ist eine Voraussetzung dafür, komplexe Sachverhalte nachvollziehbar zu diskutieren und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Quellenverzeichnis:
- Aktion „Unwort des Jahres“: Aktuelle Pressemitteilung
- Duden – Sprachratgeber: Wort und Unwort des Jahres in Deutschland
- DIE WELT: Unwort des Jahres 2025: Irreführende euphemistische Bedeutung
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