Aktuelle ⁣Neuigkeiten | vialytics

Hitzeschäden an Straßen: So belastet Hitze Kommunen | vialytics

Geschrieben von Steffen Hartmann | 23. Juni 2026

Mit jedem Sommer steigen nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Belastung für unsere Straßen. Was viele unterschätzen: Längere und intensivere Hitzewellen setzen dem Straßenbelag genauso zu wie Frost im Winter. Aufgeplatzte Fahrbahnen, tiefe Spurrinnen und gestresste Stadtbäume sind sichtbare Folgen und betreffen vor allem Kommunen. Dieser Beitrag erklärt, wie sommerliche Hitze auf Straßen und kommunales Inventar wirkt und welche Möglichkeiten Städte und Gemeinden haben, dem entgegenzuwirken.

Was Hitze mit dem Straßenbelag macht

Asphalt besteht aus Gesteinskörnungen, die durch Bitumen zusammengehalten werden, einem aus Erdöl gewonnenen Bindemittel. Bitumen reagiert empfindlich auf Temperatur: Erwärmt sich die Fahrbahnoberfläche durch Sonneneinstrahlung, Verkehr und Motorwärme auf 60 bis 70 Grad Celsius oder mehr, wird das Bitumen weich und der Asphalt verformbar.

Unter der Last des Verkehrs entstehen dann Spurrinnen, Verdrückungen und an stark bremsbelasteten Stellen waschbrettartige Unebenheiten. Ist der Asphalt zu dicht gemischt und enthält zu wenige Hohlräume, kann sich das ausdehnende Bitumen nirgends ausweichen und wirkt im Extremfall wie ein Schmiermittel zwischen den Gesteinskörnern. Die Folge: Die Verformung beschleunigt sich.

Betonfahrbahnen reagieren anders, aber nicht weniger dramatisch. Bei großer Hitze dehnen sich die Betonplatten aus. Sind die Dehnungsfugen verschmutzt oder über die Jahre ausgehärtet, fehlt der Platz dafür. Die Spannungen entladen sich schlagartig: Die Platte wölbt sich auf, platzt oder springt aus ihrer Verankerung. Dieses Phänomen ist als Blow-up bekannt. Es tritt vor allem an älteren Abschnitten mit geringer Deckendicke auf und kann zur akuten Gefahr werden, weil sich die Fahrbahn binnen Sekunden zu einer Rampe auftürmt.

Extrem hohe Temperaturen im Sommer sind eine Gefahr für jede Straße

Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner heißer Tag, sondern die Summe der Belastungen. Wechselt der Belag über Wochen zwischen extremer Tageshitze und nur mäßiger Abkühlung in der Nacht, ermüdet das Material schneller. Kleine, zunächst unauffällige Verformungen wachsen mit jedem weiteren Sommer. Hinzu kommt: Hitzegeschädigte Beläge nehmen bei Starkregen Wasser leichter auf, das im folgenden Winter gefriert und die Schäden weiter aufreißt. Sommer- und Winterschäden verstärken sich also gegenseitig.

Nicht nur die Fahrbahn: Hitze und kommunales Inventar

Der Belag ist nur ein Teil des Problems. Sommerliche Hitze belastet die gesamte straßenbegleitende Infrastruktur, für die Kommunen verantwortlich sind:

  • Brücken und Dehnungsfugen: Stahl- und Betonbauteile dehnen sich aus. Dehnungsfugen müssen diese Bewegung aufnehmen. Sind diese blockiert oder verschlissen, entstehen Spannungsschäden.
  • Fahrbahnmarkierungen: Weicher, aufschwimmender Asphalt kann Markierungen verschieben oder verschmieren und so die Verkehrssicherheit mindern.
  • Versorgungsleitungen und Schienen: Auch erdverlegte Leitungen und Gleisanlagen reagieren auf Temperaturwechsel mit Ausdehnung und Verzug.
  • Stadtbäume und Begleitgrün: Hitze und Trockenheit setzen besonders alten Bäumen zu. Sie kühlen weniger, verlieren an Vitalität und werden anfälliger – mit Folgen für Verkehrssicherungspflicht und Stadtklima.

Für Kommunen wird daraus schnell ein finanzielles Thema. Schäden, die früh erkannt werden, lassen sich oft mit kleinen Maßnahmen beheben – etwa durch das Schließen von Rissen oder das Erneuern einzelner Deckschichten. Wird der gleiche Schaden erst Jahre später bemerkt, ist meist eine grundhafte Sanierung nötig, die ein Vielfaches kostet und längere Sperrungen mit sich bringt. Der Zustand der straßenbegleitenden Ausstattung entscheidet also unmittelbar über Haushalt und Verkehrssicherheit.

Warum Städte besonders betroffen sind

In dicht bebauten Quartieren staut sich die Wärme. Versiegelte Flächen, dunkle Oberflächen und wenig Grün lassen Städte zu urbanen Hitzeinseln werden – die Temperaturdifferenz zum Umland kann in Deutschland bis zu zehn Grad betragen. Für den Straßenbelag bedeutet das: Er kühlt nachts kaum ab und bleibt über längere Zeiträume im kritischen Temperaturbereich. Gleichzeitig verdunstet das wenige Wasser schneller, was die kühlende Wirkung von Grünflächen reduziert und den Trockenstress für Bäume verschärft. Hitze ist damit nicht nur ein Bau-, sondern auch ein Klimaanpassungsthema, das viele kommunale Aufgabenbereiche zugleich betrifft.

Was Kommunen tun können

Gegen das Wetter lässt sich nichts ausrichten, aber sehr wohl gegen seine Folgen. Wirksame Ansätze setzen bei Material, Pflege und vor allem beim systematischen Überblick über den Zustand des Netzes an:

  • Hitzeresistente Baustoffe: Modifizierte Asphaltmischungen mit polymervergütetem Bitumen verformen sich bei Hitze deutlich weniger. Helle Beläge reflektieren mehr Sonnenlicht und heizen sich weniger auf.
  • Fugen- und Bauwerkspflege: Regelmäßig gewartete Dehnungsfugen an Betonfahrbahnen und Brücken beugen Blow-ups und Spannungsschäden vor.
  • Grün und Wasser: Mehr Stadtgrün, entsiegelte Flächen und das Prinzip der Schwammstadt senken lokale Temperaturen und entlasten Beläge wie Bäume zugleich.
  • Systematische Zustandserfassung: Wer weiß, wo Risse, Spurrinnen oder beginnende Schäden auftreten, kann gezielt und früh eingreifen. Eine regelmäßige, datenbasierte Erfassung des Straßenzustands macht hitzebedingte Veränderungen sichtbar, bevor aus kleinen Schäden teure Großbaustellen werden.

Gerade der letzte Punkt gewinnt mit dem Klimawandel an Bedeutung. Präventives Erhaltungsmanagement ist günstiger als die Reparatur akuter Schäden – und es erhöht die Verkehrssicherheit. Eine kontinuierliche Datengrundlage hilft Bauämtern, knappe Budgets dort einzusetzen, wo die Belastung am größten ist, und die Wirkung von Anpassungsmaßnahmen über die Jahre nachzuvollziehen.


Fazit

Hitzewellen sind längst kein Ausnahmewetter mehr, sondern ein wiederkehrender Stresstest für Straßen und kommunale Infrastruktur. Wer den Zustand seines Netzes kennt, auf hitzeresistente Materialien setzt und Grün- wie Bauwerkspflege zusammendenkt, schützt nicht nur die Substanz, sondern auch die Verkehrssicherheit – und spart langfristig erhebliche Kosten.